Neue Westfälische im Herbst 2002


Brackweder Hof getestet: vier Gabeln BIELEFELD
Die ehrliche Küche
Nicht nur typisch deutsch und nicht nur französisch
VON HEIDI HAGEN-PEKDEMIR

Bielefeld. Was kann einem Betrieb Besseres passieren als eine Chefin, die ihre Tätigkeit als Traumjob bezeichnet? Beatrix Bartsch-Hoffmann heißt sie in diesem Fall. Eine Frau, die im elterlichen Unternehmen heranwuchs und es seit 17 Jahren selbstständig führt:
Brackweder Hof heißt das Restaurant.
Eine beliebte Adresse nicht nur für Bewohner des gleichnamigen Ortsteils. "Unsere Küche ist schwer einzuordnen", sagt Beatrix Bartsch-Hoffmann. "Sie ist nicht nur typisch deutsch und nicht nur typisch französisch." Die Hotel- und Gastronomie-Fachfrau nennt es ehrliche Küche. "Ein normales Stück Fleisch oder Fisch - so mögen es die Leute am liebsten." Ganz normal heißt: Die Gerichte sind garantiert frei von abenteuerlichen Saucen-Kreationen, müssen nicht erst von zähen angegrillten Käsebelägen befreit werden. Frank Riegler, der verantwortliche Koch am Herd, kommt ohne peinlichen Schnickschnack aus. Ob Krokette oder erfrischendes Lakritz-Eis: Alles ist hausgemacht.

Die Scholle, in Butter gebraten und mit Speckstreifen gehört zu den Spezialitäten der gerade abgeschlossenen Fisch-Aktionswochen. So etwas konnten früher noch perfekte Hausfrauen. Aber heute? Da muss schon ein Profi wie Frank Riegler her. Der Koch führt nach Stationen in Sterne-Häusern (Urbanshof, Trier, und Traube, Grevenbroich) die Regie in der Küche des Familienunternehmens.

Auch so etwas Simples wie Rotbarsch mit Kartoffelsalat und Matjes mit Pellkartoffeln bietet er seinen Gästen an. Typisch deutsche Gerichte, und so lecker. Die Bouillabaisse bringt französisches Flair. Kräftig gewürzt und mit reichlich Einlage. Fast schon zum Sattessen. So mögen es die Westfalen. Dieser Wechsel zwischen Regionen und Ländern, dabei jedes mal konsequent umgesetzt - das genau macht den Reiz und die Qualität dieser Gerichte aus. Deutsche Küche macht keine Anleihen bei der italienischen, die französische biedert sich nicht bei der deutschen an. Die Speisen sind authentisch, würde man auf Neudeutsch sagen.

Und passend zur beginnenden Jagdsaison wechselt das Angebot zu Wild. Hirsch, Hase, Reh und Wildschwein und was der Wald sonst noch bietet kommt auf den Tisch. Frisch und hausgemacht die Beilagen dazu - lockere Klöße und sogar das Apfelkompott. Details, auf die Beatrix Hoffman, die Hotel- und Gastronomie-Kauffrau, stolz ist und die ihre Gäste schätzen. 

Vor allem zur Mittagszeit. Dann füllen Besucher aus den umliegenden Betrieben das Restaurant mit den 60 Plätzen Im bürgerlichen Ambiente. Wobei die Speisen ein peppigeres Umfeld verdient hätten.

Das Ehepaar Hoffmann, eingeschworene Frankreich-Liebhaber und daher besonders auch den Rebsäften des Landes zugetan, hat mit viel Sorgfalt ein Angebot interessanter Bordeaux- und Burgunderweine ausgesucht - die passende Ergänzung zu den Weißweinen kleiner, aber feiner deutscher Güter. Bliebe noch die Gans zu erwähnen. Das gewichtige Geflügel mit gutem Fettansatz kommt im November, am 11. bestückt es gar ein komplettes Büffet - zu Suppe zubereitet oder als Terrine, gefüllt mit Äpfeln oder Kastanien. Gans unterschiedlich.

Brackweder Hof, Gütersloher Str. 236, 33649 Bielefeld, Tel. (0521) 94 26 60

KURZ-INFO

 Extras: Hotel mit 40 Zimmern gehört zum Betrieb, Sonntagsbrunch
·Parken: hinterm Haus. Bushaltestelle Brackweder Hof der Linien 95, 123, auf der gegenüber liegenden Seite hält die Linie 118 (Im Brocke).
Essen: nach der Devise: Das Einfachste ist immer das Beste.

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